Wie gewollt und nicht gekonnt

23. März 2017 | | Blog | Keine Kommentare

Wie gewollt und nicht gekonnt

Immer weiter studiere ich die deutschen Landen und da der Trip nach Magdeburg von Berlin aus Richtung Westen ging sind es nun die Menschen und Kultur in der entgegengesetzten Himmelsrichtung, die erkundet werden wollen.

Wie gewollt und nicht gekonnt

Der Spreewald ist immer eine Reise wert, nicht nur wegen der Gurken, wie manche meinen, sondern vor allem aufgrund der Schönheiten der Natur, die es so in Deutschland wohl nicht noch einmal gibt und seinesgleichen sucht. Nicht umsonst wird der Spreewald auch „Venedig des Nordens“ genannt. Theodor Fontane lässt grüssen. 🙂

Wie gewollt und nicht gekonnt

Denn hier entdeckt man eine biologisch und geologisch einmalige Flusslandschaft, die durch den Menschen seit Jahrhunderten geformt wurde. Das oberflächliche Bild des Spreewaldes ist geprägt durch extensiv genutzte Weiden, Streuobstwiesen und einem Netz aus Fließen.

Wie gewollt und nicht gekonnt

 

Weltweit bringt man dieser einmaligen Landschaft, einer Synthese eines Labyrinths von Fließgewässern, reichhaltiger Natur und leider nur noch zum Teil in traditioneller Blockbauweise malerischen Ansiedlungen erbauten großes Interesse entgegen, so dass neben dem Gurkenanbau eben auch der Tourismus DIE entscheidende Rolle spielt.

Wie gewollt und nicht gekonnt

 

Um den Spreewald nachhaltig und gezielt zu schützen, wurde er als Biosphärenreservat in das ökologische Programm der UNESCO aufgenommen. 1000 ha der Fläche sind als Totalreservat gar nicht zugänglich und nur ihrer natürlichen Dynamik überlassen.

Wie gewollt und nicht gekonnt

 

Selbst außerhalb der Saison kann man hier stundenlange Wanderungen unternehmen und wirklich NIEMANDEN treffen außer ein paar Kälbchen, Spuren von Bibern, unter Wasser stehenden Wiesen und Seen, die sich wie kleine Perlen aneinandergereiht  durch die gesamte Landschaft ziehen.

Wie gewollt und nicht gekonnt

 

Es macht auch gar nichts, dass es sich – kurz nach Antritt der „knapp 20 km Wanderung“ –  beginnt einzuregnen. Wie ein beständiges, leichtes Rauschen begleiten den Wanderer die behutsam fallenden Tropfen und tränken die ohnehin schon feuchten Wälder, Wiesen, Häuschen,Strassen und Parkplätze noch tiefer, als sie es ohnehin schon sind. Venedig im Wasser – ein echter Traum 🙂

Wie gewollt und nicht gekonnt

Wie gewollt und nicht gekonnt

Und dann kommt man ins Hotel und checkt in das wirklich wunderbar gestaltete Zimmer ein, verbringt den Abend an der perfekt gestalteten Bar, isst im makellosen Restaurant zu Abend und wird dabei immer von den in typischer Spreewaldtracht gekleideten Angestellten am einen oder anderen Ort bedient. Es ist alles perfekt, alles sieht neu aus, ungenutzt, frisch, fast kommt man sich vor wie eine Spielfigur in „Monopoly“ oder „Matrix“ oder „Viel Lärm um nichts“ oder „Kir Royal“ – nur auf ostdeutsch.

Charmant ist das Mindgame der Frage wer wohl als Nächstes durch die Tür kommt – Baby Schimmerlos, Neo, Horst Krause oder Joachim Król?

Wie gewollt und nicht gekonnt

Die französischen Adelssymbole finden sich sogar auf den Teppichen wieder, dass ich mich irgendwie unwohl dabei fühle, mit meinen verdreckten Wanderschuhen auch nur auf´s Zimmer zu gehen. Alles suggeriert dem Gast, sich im adligen Frankreich König Ludwig XIV. zu befinden. Gleichwohl fühlt es sich unfassbar unecht und damit nicht authentisch an. Gefühle kann man schlecht kaufen…

Wie gewollt und nicht gekonnt

„Die Möbel Höffner Show“ – ich soll Sie schön grüßen. Sogar der Haussekt wird im Moet Chantillon Glas ausgeschenkt, alles ist nicht sauber, sondern porentief rein.  Und die Zielgruppe ist klar: Es JEDEM Recht machen, denn alles ist abgestimmt und sieht neu gekauft aus. Gleichzeitig ist es eben auch nur genau das: gekauft und nicht gestaltet, es ist die Oberfläche anstatt der Tiefe. Nichts ist aus der Substanz gemacht.

Wie gewollt und nicht gekonnt

Einen größeren Unterschied zu Hundertwasser gibt es nicht, denn man kann nicht erkennen, wie das Haus einmal war. Es wirkt völlig gesichtslos und austauschbar. So wie eine Art Konsum Hotel Raumschiff, welches sich von allen Landeplätzen auf dieser Welt ausgerechnet den Spreewald ausgesucht hat. Authentizität sieht anders aus und fühlt sich komplett anders an.

Wie gewollt und nicht gekonnt

Überall gibt es sinnlose Dekos aus Silber, in Kombination mit Pseudo-Naturfarben. Das gesamte Ambiente ist plüschig, pompös, aufgebrezelt, versilberte Hirschgeweihe, silberne Blumenkübel ins XXL Format mutiert mit jeweils 20 künstlichen Chrysanthemen drin. An den Wänden, in der Bar, in den Fluren.

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Versteht mich nicht falsch bitte: Es ist nichts Schlimmes an Plüschigkeit, aufgebrezelt daher kommen oder silbernen Feuerlöschern. Nur echt ist es eben nicht, was eine wirkliche und tiefe Erholung nur beim Spaziergang außerhalb des Hotels Wirklichkeit werden lässt. 🙂

Wie gewollt und nicht gekonnt

In diesem Sinne! 

Bestes euch!

Wie gewollt und nicht gekonnt

Eure San Ra



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